Donnerstag, 22. Dezember 2022

Weihnachten 2022: Das LICHT LEUCHTET

Ein Weihnachtsbrief

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Pfarrei, liebe Engagierte.

Beim Rückblick auf die vergangenen 12 Monate weiß ich gar nicht so recht, was ich sagen und schreiben soll: Das Jahr 2022 war so voll. Übervoll.

Mit Herausforderungen.
Mit düsteren und traurigen Momenten.
Mit Fragezeichen.

  • Die Pandemie, die nach wie vor nicht überwunden ist.
  • Der Krieg in der Ukraine, der seit diesem Frühjahr unsagbares Leid über die Bevölkerung und über die ganze Welt bringt. Die damit einhergehende Energie- und Wirtschaftskrise, die auch unser Land und insbesondere jene Menschen in Nöte bringt, die es ohnehin nicht leicht haben.
  • Der Klimawandel mit allen seinen Folgen, die immer offensichtlicher werden. Der vergangene Sommer, der die Wälder und die Landwirtschaft vor unserer Haustür wortwörtlich ausgetrocknet hat.
  • Die tiefe (Glaubwürdigkeits-)Krise unserer Kirche, deren Hirten nach wie vor zögern, klare Konsequenzen ziehen, um sexualisierte und spirituelle Gewalt sowie Machtmissbrauch aufzuarbeiten und endlich zu verhindern. Zigtausende Menschen haben sich in diesem Jahr von der Gemeinschaft der Kirche verabschiedet, weil sie das System nicht mehr mittragen und unterstützen können und wollen. Viele andere überlegen noch, wie sie damit umgehen werden.
  • Der Sparprozess in unserer Diözese, der uns sehr deutlich vor Augen führt, dass wir schon in wenigen Jahren insolvent sein werden, wenn wir keine klaren Entscheidungen treffen. Wir werden uns von Manchem verabschieden müssen, insbesondere auch von Gebäuden und Kirchen, die wir uns künftig (und eigentlich schon jetzt) nicht mehr leisten können. Diesen Weg, der sicherlich schmerzhaft sein wird, können wir nur gemeinsam gehen.
  • Die Ungewissheit, wie es nach dem Abschied von unserer Gemeindereferentin Gabriele Heinz weitergeht. Wird sich im nächsten Spätsommer eine Nachfolge finden - oder wird das „Seelsorgeteam“ auf unbestimmte Zeit aus nur einer Person bestehen?
  • Hinzu kommen all die Schicksale von Menschen aus unserer Pfarrei und unseren Gemeinden, die im vergangenen Jahr vor persönlichen Herausforderungen standen. Die sich von Freund*innen und Familienmitgliedern verabschieden mussten. Die unter Schicksalsschlägen, Krankheiten und wie auch immer gelagerten Nöten litten und leiden.

Neben all diesen Herausforderungen gab es jede Menge

Chancen.
Mutmachende Momente.
Sternstunden und Ausrufezeichen.

  • Der Krieg in der Ukraine und die Ankunft der vielen Kriegsgeflüchteten haben dazu geführt, dass in unserer Pfarrei wunderbare und hoffnungsstiftende Initiativen entstanden sind. Die „Helfenden Hände“ sind ein Begriff geworden, den man in unserer Region kennt und der viel Anerkennung und Aufmerksamkeit erfährt.
  • Innerhalb kürzester Zeit sind so viele Ehrenamtliche aufgetaucht, die unzählige Stunden und Tage ihrer Zeit verschenkt haben, um da zu sein und zu helfen. Plötzlich waren uns sind da Menschen in unserer Mitte, die uns bereichern, die uns unterstützen. Menschen, die uns auch helfen, über den eigenen Tellerrand hinauszusehen, indem sie uns hinterfragen und neue Ideen einbringen. Was für ein Schatz!
  • In Falkenstein konnten wir im Frühjahr über 100 Menschen aufnehmen und ihnen dabei helfen, in Sicherheit und bei Freund*innen anzukommen. Aus ursprünglich vereinbarten „etwa drei Wochen“ wurden schließlich sieben Wochen, in denen wir Rund um die Uhr für Geflüchtete da waren.
  • Im „Café Helfende Hände“, ursprünglich nur als ein kurzfristiges Projekt angedacht, treffen sich Woche für Woche Geflüchtete und Engagierte. Die Engagierten sind mittlerweile echte Profis, wenn es darum geht, Amtsformulare zu bearbeiten, Wege durch den überforderten Behördendschungel zu finden oder auch in praktischen Fragen wie „Ich brauche eine Waschmaschine“ oder „Wie kann ich eine Bewerbung schreiben“ zu helfen. Darüber hinaus entstehen hier Freundschaften. Und das ungezwungene Zusammensein bei Kaffee, Tee und Brettspielen schenkt Erwachsenen und Kindern ein Lächeln in dieser harten Zeit.
  • Mit dem Café ist im Pfarrheim eine notdürftige Kleiderstube entstanden. Dank des Engagements des Caritas-Ausschusses konnten wir im Herbst ein Ladenlokal anmieten und dorthin umziehen: Die „Kleiderstube Helfende Hände“ ist ebenfalls wöchentlich geöffnet und hat sich zu einem gut frequentierten Anlaufpunkt für alle Menschen in Not etabliert.
  • Alle unsere „Helfenden Hände“-Projekte leben durch das Engagement von Ehrenamtlichen. Sie finanzieren sich völlig eigenständig durch viele kleine und große Spenden, die nach wie vor bei uns eingehen.
  • Im Herbst wurden die „Helfenden Hände“ vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken mit einem Sonderpreis für soziales Engagement ausgezeichnet: Als missionarisches Projekt mit bundesweitem Vorbildcharakter.
  • Es würde den Rahmen dieses Briefes sprengen, würde ich versuchen wollen, all die weiteren hoffnungsstiftenden Momente aufzuzählen, die oftmals eher „unter dem Radar“ der Wahrnehmung passiert - und doch so wichtig - sind:
  • Nach vielen Vorarbeiten und zwei intensiven Klausuren im Spätherbst konnten wir das Pastorale Konzept unserer Pfarrei verabschieden und zur weiteren Überprüfung nach Speyer senden. Unter dem Titel „Mach uns zu einem Werkzeug Deines Friedens“ haben wir darin Wege, Ideen und Vereinbarungen für unseren Weg in die Zukunft aufgezeichnet und festgehalten.
  • Da waren all die Treffen in unseren Gremien und Ausschüssen, in denen wir miteinander diskutiert, gerungen und gemeinsame Lösungen und Wege gesucht und gefunden haben.
  • Da waren all die gemeinsame Gottesdienste und Feste, bei denen wir miteinander gefeiert, gelacht und auch geweint haben.
  • Da waren berührende Begegnungen und Gespräche bei Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, Krankenbesuchen sowie im „ganz normalen“ Alltag.
  • Da war die großartige Arbeit, die unsere Erzieher*innen in unseren Kitas in Winnweiler und Börrstadt leisten - und dass unter oftmals sehr schwierigen Voraussetzungen.
  • Und und und...

Liebe Freundinnen und Freunde.

Ihr merkt alleine an der Länge dieses „kleinen“ Weihnachtsgrußes, wie voll das vergangene Jahr war. Da Ihr mit Blick auf die nächsten Tage sicher noch jede Menge anderer und persönlicher Dinge zu erledigen habt, höre ich an dieser Stelle einfach auf und gebe zu, dass ich ganz sicher jede Menge dunkle und helle Dinge und Momente vergessen habe, die Ihr mit diesem Jahr verbindet.

An dieser Stelle einfach nur ein großes DANKE für Eure Verbundenheit.
Und allen Engagierten ein großes DANKE für Euren persönlichen Einsatz.
Ihr seid das Herz, der Puls und die Seele unseres Tuns.

DANKE, dass Ihr Licht in die Finsternis gebracht habt und bringt.

Euch und Euren Familien und Freund*innen
eine gesegnete Weihnachtszeit
und einen guten Start ins neue Jahr.

Seid gesegnet und bleibt behütet!
Euer Pfarrer Carsten Leinhäuser.

P.S.: Hier könnt Ihr den Brief und das Bild runterladen und ausdrucken.